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Laut trompetend fliegen die großen imposanten Schreitvögel meist Richtung Westen. Viele Menschen erfreuen sich derzeit daran. Selbst über der Stader Altstadt lohnen sich offene Augen und Ohren gen Himmel. Die Kraniche sind im Flug neben ihrem auffälligen Ruf an ihrem lang ausgestreckten Hals und den weit über den Schwanz hinausragenden langen Beinen zu erkennen. Dadurch sind sie deutlich von den etwas kleineren Gänsen zu unterscheiden, die derzeit ebenfalls in großen keilförmigen Formationen über unserer Region zu beobachten sind.
Die Kraniche befinden sich jetzt auf dem Herbstzug in ihre Winterquartiere. Anders als noch vor wenigen Jahrzehnten sind diese heute überwiegend nicht mehr in Spanien. „Große Scharen verbringen den Winter mittlerweile in Norddeutschland. Das sind Verhaltensänderungen, die eindeutig auf den Klimawandel zurückzuführen sind“, erklärt BUND-Kreisvorsitzender Heiner Baumgarten. „Die durchschnittlich höheren Temperaturen zögern den herbstlichen Wegzug hinaus. Die Verlagerung der Winterquartiere um mehrere Tausend Kilometer nach Nordosten ist eine klare Reaktion auf die Klimaerwärmung.“ Die Moore und feuchten Niederungen im Landkreis Stade stellen wichtige Rast- und inzwischen auch Überwinterungsflächen für die Kraniche dar. Westlich von Stade rasten viele Kraniche im Hohen Moor oder auch in der Teufelsmoor-Wümmeniederung zwischen Bremervörde, Osterholz-Scharmbeck und Bremen sowie in der Moor- und Niederungslandschaft bei Rotenburg. Ein Rastschwerpunkt mit vielen zehntausend Vögeln befindet sich in der Diepholzer Moorniederung. Dort pendeln die Kraniche täglich zwischen ihren Nahrungsflächen auf Wiesen und Äckern und ihren Schlafplätzen, i.d.R. auf großflächig flach überstauten Moorflächen. Viele dieser inzwischen stark frequentierten Flächen sind zumeist als Naturschutzgebiete ausgewiesen. Ein besonderes Schauspiel liefern die Kraniche, wenn sie allabendlich ihre spektakulären Schlafplatzflüge von den Nahrungsflächen begleitet von lauten Rufen durchführen.