BUND Kreisgruppe Stade

Bäume des Jahres aus 2020 und 2021 gepflanzt

06. Dezember 2021 | 2021, Baumschutz

Die Pflanzung der Bäume des Jahres 2021 (Stechpalme) und 2020 (Robinie) wurde in Stade am 23. November 2021 nachgeholt. Das in einer kleinen Aktion gemeinsam mit dem neuen Landrat Kai Seefried und dem Bürgermeister der Hansestadt Stade Sönke Hartlef auf dem Garnisonsfriedhof.

v.l.n.r.: Sönke Hartlef, Kai Seefried, Heiner Baumgarten

Die Bäume des Jahres 2021 (Stechpalme) und 2020 (Robinie) waren Vorgänger der Buche. Beide Bäume wurden in Stade am 23. November 2021, 11:00 Uhr, in einer kleinen Aktion gemeinsam mit dem neuen Landrat Kai Seefried und dem Bürgermeister der Hansestadt Stade Sönke Hartlef auf dem Garnisonsfriedhof, Albert-Schweitzer-Straße, gepflanzt.

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Kurzinformationen zur Robinie und zum Ilex

Baum des Jahres 2020
Gewöhnliche Robinie (Robinia pseudoacacia)

Vorkommen/Herkunft/Lebensraum
Die Robinie ist keine heimische Baumart. Im Verlauf der Kolonisierung Nordamerikas kamen die ersten Robinien um 1630 aus den USA nach Europa. Die Robinie gehört heute neben Eukalypten und Pappeln zu den weltweit meistgepflanzten Bäumen. In China und Südkorea wachsen heute mehr Robinien als in ihrer Heimat, den USA.
In Europa – außer vielleicht in einigen botanischen Gärten und Parks – gibt es keine weiteren Robinienarten.
In ihrer nordamerikanischen Heimat, den Wäldern der südlichen Appalachen und  westlich des Mississippis, ist sie eine Pionierbaumart, die z. B. nach einem Brand oder Sturm verwüstete Flächen schnell und meist vollständig wieder besiedelt, um dann nach zwei bis drei Jahrzehnten den übrigen dort heimischen Baumarten wieder zu weichen. Die Robinie ist hinsichtlich des Standortes anspruchslos und verträgt gut Hitze und Trockenheit.
In Deutschland wurden die ersten Robinien 1670 gepflanzt, und zwar zwei Exemplare im barocken Lustgarten des Berliner Stadtschlosses.

Erscheinungsbild, Rinde und Blatt
Die Robinie hat eine dekorative, exotisch wirkende Erscheinung, die diesen Baum in Europa zu einem begehrten Objekt in den Park- und Gartenanlagenmachte. Auffällig sind seine zarten Fiederblätter, seine grobe, tief gefurchte Borke, seine hängenden weißen und süßlich duftenden Blütentrauben und seine nicht selten bizarr verzweigte Krone.

Zur Ökologie und Verwendung
Als nichtheimische Baumart wurden Robinien primär als Parkbäume gepflanzt. Auch in den botanischen Gärten wuchsen recht bald die ersten Robinien – der Leipziger Garten machte 1675 den Anfang. Die Beliebtheit der Robinie als Parkbaum nahm mit dem Übergang von den strengen, barocken Parkanlagen zu den großzügigen Landschaftsparks noch zu und ist bis heute ungebrochen.
Auch als Alleebaum in der freien Landschaft wurde die Robinie schon bald gepflanzt. Im Laufe der Zeit kamen auch immer mehr Zierformen der Robinie auf den Markt, die auch innerhalb der Städte und in kleineren Privatgärten gepflanzt wurden – z. B. die Kugel-Robinie. Als Alleebaum wird die Robinie gern und zunehmend auch innerhalb von Ortschaften gepflanzt und gut salz- und immissionstolerant ist sowie gut mit dem städtischen Klima und den oft schwierigen Bodenverhältnissen zurechtkommt. Allerdings zeigen ihre Fähigkeiten, sich auch über die Wurzel in der Umgebung auszubreiten und dabei Fußweg- und Fahrbahnbelege anzuheben, auch deutliche Nachteile. Dagegen wird die Robinie dank ihres dichten, weit in die Breite reichenden Feinwurzelsystems zur Bodensicherung an Steilhängen, auf Dämmen, an Böschungen und auf offenen Sandflächen eingesetzt. So trifft man auf die Robinie entlang von Bahndämmen, Straßenböschungen und Kanalufern oder in den sogenannten Bergbaufolgelandschaften zur Begrünung von Abraumhalden und stillgelegten Tagebauflächen.
Auf seltenen und schützenswerten trockenen und nährstoffarmen Standorten ist die Robinie in der Lage andere heimische Pflanzenarten zu verdrängen. Die Robinie wurde deshalb vom Bundesamt für Naturschutz als invasive Baumart eingestuft.
Wertvoll ist die Robinie als Bienenweide und auch als Hecken- und Feldgehölz. Bienen produzieren einen hellen, klaren, milden und dank des hohen Fruktosegehalts über Jahre nicht kristallisierenden Honig. Meist wird er unter dem irreführenden Namen Akazienhonig vermarktet. Mehr als die Hälfte des im robinienreichen Brandenburg geernteten Honigs stammt in guten Jahren von Robinien.

Blüten/Früchte
Robinien zu den Schmetterlingsblütlern und damit zu der großen Pflanzenfamilie der Hülsenfrüchtler. Allerdings enthält die Robinie toxische Lektine. Für uns Menschen sind besonders die Rinde, aber auch die reifen Samen und Blätter giftig. Dennoch wird die Robinie wegen ihres dekorativen Laubs und der üppigen Blütenpracht im Juni gern gepflanzt.
Allein die Blüten der Robinien sind nicht giftig – im Gegenteil: Die stark duftenden Blütentrauben lassen sich – ähnlich wie die Blütenstände des Holunders – in Pfannkuchenteig getaucht und in heißem Öl ausgebacken – in delikates Naschwerk verwandeln. Mit wässrigen Auszügen aus den Blüten lassen sich Limonaden und Gelees aromatisieren.

Das Robinienholz
Schon sehr früh wurde die besondere Härte und ungewöhnlich hohe Witterungsbeständigkeit des Robinienholzes erkannt. Kein anderes Holz aus Europa ist über Jahrzehnte ohne jegliche Imprägnierung derart widerstandsfähig. Nach der Nutzung für Rebstöcke, Zaun- und Weidepfähle wird das Holz heute eingesetzt beim   Wasser-, Boots-und Brückenbau sowie für Lärmschutzwände.
Spielplatzgeräte werden mit Robinien gestaltet und bei Gartenmöbeln, Terrassendielen ist Robinienholz die ideale haltbarere Alternative zu Tropenhölzern.
Das gelbgrünliche, sich später bräunlich verfärbende Kernholz wird wegen seiner schönen Maserung auch im Möbelbau eingesetzt.
Wegen seines überaus hohen, alle heimischen Hölzer übertreffenden Heizwertes ist das Robinienholz auch als Energieholz von besonderem Interesse.

Baum des Jahres 2021

Die Europäische Stechpalme (Ilex aquifolium)
Weitere gebräuchliche Namen sind: Ilex, Walddistel, Christusdorn
Der Name Stechpalme hängt mit einer christlichen Tradition zusammen: Zu Palmsonntag (immer der Sonntag vor Ostern) wird an den Einzug Jesu nach Jerusalem erinnert, der damals mit Palmwedeln begleitet wurde. Die grünen Sträuße oder auch Palmstöcke zu Palmsonntag wurden häufig mit Zweigen der Stechpalme angefertigt, da diese als immergrünes Gehölz im zeitigen Frühjahr zur Verfügung standen. Im Jahr 1935 untersagte das Reichsnaturschutzgesetz deren Nutzung, da der Bestand des Ilex stark zurückging. Heute ist die gesamte Pflanze geschützt.

Erscheinungsbild, Rinde und Blatt
Die Europäische Stechpalme ist ein immergrüner, ein- oder auch mehrstämmiger,    1 bis 5 Meter hoher Strauch oder ein 10 bis 15 Meter hoher, dicht verzweigter Baum mit kegelförmiger Krone. Junge Zweige sind grün und dicht behaart, später glatt und dunkler. Auch die Rinde des Stamms bleibt lange grün und bildet erst spät eine dünne schwarzgraue Borke. Ilex kann bis zu 300 Jahre alt werden und die Stämme der Baumform können einen Durchmesser von bis zu 150 Zentimeter erreichen.
Die wechselständig angeordneten Laubblätter haben einen10 bis 15 Millimeter langen Blattstiel. Die Blattspreite ist relativ dick und ledrig, auf der Oberseite glänzend dunkelgrün und unterseits gelbgrün. Die Form der Blattspreite ist elliptisch und am oberen Ende zugespitzt. Der Rand von Blättern aus den unteren Bereichen der Pflanze ist auf beiden Seiten mit Stacheln versehen, die alternierend aufwärts und abwärts geneigt sind. Mit zunehmender Höhe der Pflanze werden die Stacheln weniger und es treten vermehrt auch völlig stachelfreie Blätter auf. Diese Heterophyllie (griech.: hetero = verschieden, phyllos = Blatt) dient dem Strauch als Fraßschutz. Trotz der wehrhaften Blätter wird vor allem im Winter das feste Laub vom Wild verbissen.

Blüten/Früchte
Die Blütezeit reicht von Mai bis Anfang Juni. Die Stechpalme ist zweihäusig. Um zur Fruchtreife zu gelangen, benötigt die weibliche Pflanze eine männliche in der Nachbarschaft. Obwohl alle Blüten Staubblätter und Stempel aufweisen, ist jeweils nur eine der Anlagen pro Blüte voll entwickelt. Bestäubt werden die Blüten hauptsächlich von Bienen.

Mit ihren leuchtend roten Früchten (Steinfrucht mit 4 Steinkernen) ist sie eine auffällige Pflanze. Die Früchte (ab Oktober bis Dezember) dienen Vögeln als Nahrungsreserve für die kalte Jahreszeit; für Menschen sind sie giftig. Die Samen werden von Amseln und Drosseln, Rotkehlchen und Mönchsgrasmücken verbreitet. Den Vögeln schaden die Giftstoffe der Früchte nicht. Die Früchte werden erst weich und für Vögel essbar, wenn sie mehrmals Frost bekommen haben; sie können den ganzen Winter ohne zu verderben an der Pflanze bleiben und stellen ein sehr wichtiges Winterfutter für die Vögel dar.

Vorkommen/Lebensraum
Die Stechpalme ist ein heimischer Laubbaum. Sein Verbreitungsgebiet ist das gesamte westliche Europa. Je nach Lichtverhältnissen wächst der Baum bis zu ca. 5 (15) m hoch, kommt häufig aber auch nur strauchartig vor.

Verbreitungsgebiet von Ilex
Bevorzugt wächst die Europäische Stechpalme auf nährstoffreichen und kalkarmen, lockeren oder auch steinigen Lehmböden. Sie gedeiht am besten im Halbschatten oder Schatten. Die Stechpalme bildet Wurzelsprosse und wächst deshalb oft in großen Beständen. Man findet die Europäische Stechpalme in Mitteleuropa zerstreut, aber meist gesellig vor allem in Buchen- und Buchen-Tannen-Wäldern, auch in frischen Eichen-Hainbuchen- oder Eichen-Birkenwäldern.

Mythologie
Der Stechpalme wird die Kraft zugeschrieben, alles Böse abzuwehren. Der Zauberstab von Harry Potter ist z. B. aus Stechpalmenholz.
In Mitteleuropa wurden am Palmsonntag zur Zeremonie mangels Palmwedeln Zweige vom Ilex verwendet – daher auch der Name Stechpalme.
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Die Auszeichnung „Baum des Jahres“ wird seit 1989 vergeben. Die Silvius Wodarz Stiftung will damit über Eigenheiten verschiedener Bäume aufklären und auf bedrohte Bäume hinweisen. Der BUND Stade pflanzt seit 2000 jährlich den Baum des Jahres am „Tag des Baumes“, den 25. April. Durch die Beschränkungen für Veranstaltungen aufgrund der Corona-Pandemie wurde in den Jahren 2020 und 2021 auf die Pflanzungen verzichtet, die nun aber nachgeholt werden sollen. Im Frühjahr 2022 folgt dann die Pflanzung der Rotbuche (Fagus sylvatica).

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